„Ich habe mich noch nie so leer gefühlt“ – unmittelbar nach seinem Wimbledon-Aus offenbarte Weltklasse-Tennisspieler Alexander Zverev mentale Probleme. „Ich fühle mich generell gesprochen ziemlich allein in meinem Leben“, sagte er und kündigte eine Auszeit an. Auch andere High Performer fühlen sich oft isoliert und einsam. Studien zeigen, dass Führungskräfte besonders von Einsamkeit betroffen sind. Im Top-Management sind es 75 Prozent.
Einsamkeit kann so weh tun wie körperliche Schmerzen. Wenn Menschen unter Schmerz oder Einsamkeit leiden, werden die gleichen Nervenzellen im Gehirn aktiviert werden.
Der Grund dafür ist evolutionär bedingt. Die für die Schmerzverarbeitung zuständige Region im Gehirn soll uns vor lebensbedrohlichen Situationen warnen. Vor zweihunderttausend Jahren gehörten dazu eben nicht nur körperlich bedrohliche Situationen, sondern auch der Ausschluss aus der Gemeinschaft.
Auch heute noch sind wir als „social creatures“ programmiert. Obwohl in westlichen Gesellschaften das individuelle Interesse im Vordergrund steht und uns das Bewusstsein für dieses Grundbedürfnis nach Gemeinschaft oft verloren geht, wie der Mediziner Gabor Maté feststellt.
Im Arbeitsleben braucht es psychologische Sicherheit, um dieses Thema offen ansprechen zu können. Führungskräfte auf allen Ebenen sollten darin geschult werden, Signale für emotionale Erschöpfung, die eine Seite von chronischem Stress sein kann, zu erkennen und entsprechende Hilfsangebote zu machen.
Zu möglichen Alarmsignalen gehören u. a. deutliche Wesensveränderungen über einen längeren Zeitraum. Oft ist dies verbunden mit Hoffnungslosigkeit und Zynismus.
Und dennoch kann es sehr schwer sein, die Signale zu erkennen. „Da hat sich nichts Großartiges angedeutet, viele Sachen erfahre ich auch von euch“, sagte Zverevs Bruder Michael im Interview nach der Offenbarung von Alexander. High Performer sind oft sehr gut darin, nach außen eine glückliche, leistungsfähige Person darzustellen.
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Alexander Zverevs Krise: Was das mit Führungskräften und anderen High Performern zu tun hat



